Navigation am Motorrad

Was macht man in der Winterpause? Man beschäftigt sich mit Themen rund ums Motorrad. Ich habe mich hier mal mit der Lösung zur Navigation am Motorrad beschäftigt. Im Folgenden möchte ich daher die Lösung beschreiben, die ich für mich realisiert habe und warum.

 

In diesem Bericht

Die generellen Auswahlmöglichkeiten

Zur Auswahl stehen für Motorräder meiner Meinung nach vier im Grundsatz unterschiedliche Lösungen:

    1. Papierkarte/Roadbook
    2. Motorrad-eigene Navigation (mit dem Motorrad/Steuergerät verbunden)
    3. separates Navigationsgerät
    4. Navigation per Smartphone

Alle diese Systeme haben Vor- und Nachteile. Letztendlich muss jeder für sich die jeweiligen Argumente gewichten. Hier eine kurze Übersicht über die wichtigsten Merkmale und deren Einstufung als Vor- und Nachteil aus meiner Sicht.

Papierkarten

Motorrad-eigene Navigation

separates Navigationsgerät (speziell für Motorrad)

Navigation per Smartphone

 

Die oben genannten Punkte möchte ich als verallgemeinert verstanden sehen. Selbstverständlich kann es hiervon Ausnahmen geben.

 

Welche Lösung habe ich gewählt und warum?

Die von mir gewählte Lösung ist Variante 4, die Navigation per Smartphone. Warum? Ausschlaggebend waren für mich folgende Punkte:

    • gegen eine Lösung mit Papierkarten spricht für mich die fehlende Flexibilität, das aufwändige Handling und die Notwendigkeit für einen Tankrucksack als Kartenhalter.
    • ein Motorradspezifisches Navi scheidet aus, da dafür keine Integration am Motorrad vorliegt. Eine Nachrüstung ist schlichtweg zu teuer.
    • gegen das Motorradspezifische Navi wie auch gegen ein separates Navigationsgerät spricht für mich die feste Bindung an ein System. Jedes System hat Vor- und Nachteile und Fehler. Bei einem Navigationsgerät bin ich daran gebunden und müsste alle diese Vor- und Nachteile vor der Entscheidung kennen und bewerten können. Ist m.E. schlichtweg nicht möglich und die Gewichtung/Bewertung kann sich auch über die Zeit ändern. Bin daher kein Freund davon, sich fest an ein System zu binden.
    • auch ein separates Navi, wenn für Motorräder ausgelegt, ist relativ teuer
    • Wichtigster Punkt bei meiner Entscheidung ist Offenheit des Systems Smartphone gegenüber allen möglichen Apps sowie die leichte Routenplanung am PC und automatische Übertragung an die App. Ich kann sicher sein, dass die Route mich so führt wie am PC geplant. Und je nach Anforderung kann ich zwischen verschiedenen Apps wählen.

Wie habe ich meine Lösung realisiert

Meine Lösung besteht aus folgenden Bestandteilen, die ich im Folgenden vorstellen möchte:

  • Smartphone
  • Smartphone-Bedienung
  • Smartphonehalter
  • Stromversorgung
  • Navigationsapps und Routenplanung

Smartphone

Mein Smartphone ist ein iPhone XR. Mit diesem Smartphone bin ich auch gestartet.

Diskussionen um Schädigungen des Bildstabilisators bei neueren Smartphones aufgrund der Vibrationen (bei Apple iPhones z.B. ab iPhone 7 oder 8) haben mich in die Überlegung gebracht, ein extra Smartphone nur für die Navigation anzuschaffen.
Den Ausschlag, dies dann auch zu tun, gab aber letztendlich die Tatsache, dass es umständlich ist, bei einem kurzen Halt für z.B. ein Foto aufzunehmen oder eine Nachricht zu schreiben, immer das Handy aus der Halterung nehmen zu müssen, die Navigation zu pausieren und dann wieder umgekehrt.

Aus reiner Bequemlichkeit und um Schäden vorzubeugen habe ich mir also ein extra Handy nur für die Navigation beschafft. Um im Betriebssystem iOS zu bleiben ein gebrauchtes iPhone 6s. Um die Karten offline nutzen zu können habe ich mich für ein iPhone mit 64GB Speicher entschieden. Mein Smartphone für die Navigation ist also ein iPhone 6s mit 64 GB Speicher.

Die genutzte App Calimoto inklusive Offlinekarten verbraucht aktuell 13,2 GB des Speichers. Dies beinhaltet die App selbst, Nutzerdaten sowie die Offlinekarten von Deutschland (4,84 GB), Frankreich (4,81 GB), Österreich (1,2 GB), der Schweiz (0,9 GB) und Italien (2,7 GB).

Smartphone-Bedienung

Für die Bedienung des Smartphones während der Fahrt mit Handschuhen sind touchscreenfähige Handschuhe notwendig. Dazu gäbe es die Möglichkeit, touchscreenfähige Handschuhe zu kaufen. Oder man macht die vorhandenen Handschuhe touchscreenfähig.

Ich habe mich für letzteres entschieden. Mein erster Versuch dazu war, die Handschuhe per Silberfaden (wie z.B. hier erhältlich) touchscreenfähig zu machen. Hat funktioniert, aber ich war nicht glücklich damit. Das Annähen des Fadens war einfach, Ergebnis siehe hier:

Handschuhe mit Silberfaden
Handschuhe mit Silberfaden

Warum bin ich nicht glücklich damit? Die touchscreenfähige Fläche ist zu klein, und leider auch an der falschen Stelle. Hat sich auf dem Motorrad als anders herausgestellt als bei der Anbringung am Werktisch. Eine Bedienung des Smartphones während der Fahrt oder an der Ampel ist damit nicht zufriedenstellend möglich.

Also nach einer weiteren Möglichkeit gesucht und die Lösung mit Touchscreen-“Fingerhülsen” gefunden. Diese werden über den Finger beim Handschuh gezogen. Trotzdem die Hülsen bereits ganz gut selbst halten, habe ich sie zusätzlich angeklebt.
Damit ist eine deutlich bessere Bedienung des Smartphones möglich. 

Handschuhe mit Fingerhülsen
Handschuhe mit Fingerhülsen

Habe zur Bedienung ein Video erstellt:

Nach ersten Versuchen zeigt sich, dass die Fingerhülsen gut funktionieren. Allerdings ein Nachteil: mit reinem Ankleben am Handschuh ist es nicht getan. Habe die erste Fingerhülse bereits verloren. Abhilfe habe ich geschafft, in dem ich die Fingerhülsen nun zusätzlich am Handschuh angenäht habe.

Smartphonehalter

Als Halter für das Smartphone kommt bei mir eine Lösung von SP Connect zum Einsatz:

Lenkerbefestigung: Moto Mount Pro

Vibrationsschutz: Antivibrationsmodul
Für das oben gewählte Navigations-Smartphone ist eigentlich kein Antivibrationsmodul notwendig. Für mein eigentliches Smartphone zur Sicherheit aber schon. Daher ist dies für die Navilösung selbst eigentlich nicht notwendig.

Zwingend für diese Lösung dagegen ist aber die Systemhülle von SP Connect für das jeweilige Smartphone: Phone Case

Als Wetterschutz zusätzlich diese Hülle: Weather Cover

Stromversorgung

Für die Stromversorgung habe ich eine DIN-Strombuchse ersetzt durch eine USB-Doppeldose. Diese Dose ist in das Bordnetz integriert und ersetzt die DIN-Steckdose plug’n’play. Erhältlich ist diese Dose z.B. bei Wunderlich.

Die Verbindung zwischen iPhone und USB-Steckdose realisiere ich über ein kurzes Lightning-auf-USB-Kabel.

genutzte Navigationsapps

Meine “Standard”-Navi-App ist Calimoto

Dieser App gebe ich aus folgenden Gründen den Vorzug:

  • automatische Übertragung der Routen von PC zu App und umgekehrt über das Konto
  • die Möglichkeit, zwischen den Wegpunkten unterschiedliche Routingprofile zu wählen (bei anderen Apps nur 1 Profil für die komplette Route)
  • Routenplanung ist einfach und intuitiv
  • die vorgeschlagenen Routen haben sich bislang als attraktiv herausgestellt. Ich habe sogar noch neue attraktive Strecken in der Umgebung gefunden
  • hat ein Freund ebenfalls Calimoto, kann ich ihm die Routen innerhalb der App einfach zusenden/freigeben
Neben Calimoto nutze ich zur Routenplanung noch kurviger.de und gpswerk.de
Warum noch andere Routenplaner? Je nach verwendetem Kartenmaterial ist eine Straße mal in einem, mal im anderen Routenplaner als nicht routingfähig markiert. Merklich vor allem bei Gebirgspässen.
Bei kurviger gibt es darüber hinaus noch verschiedene Overlays der Karten, die eine Routenplanung erleichtern sowie gute Exportmöglichkeiten, will man die Route mit Freunden austauschen.
Gpswerk bietet die Möglichkeit, mehrere Routen gleichzeitig anzuzeigen, zu trennen und zu verbinden. Hilfreich bei der Planung von Mehrtagestouren.

Fazit und Ausblick

Die Lösung in dieser Form habe ich seit Herbst 2020 im Einsatz. Die ersten Touren habe ich damit prima bewältigt und bin auf keine Probleme gestoßen. Die ersten Mehrtagestouren und damit der Härtetest stehen im Jahr 2021 an. Ich bin optimistisch, den Härtetest mit Bravour zu bestehen. Mit der App habe ich bereits Mehrtages-Erfahrungen, die technische Realisierung (Halter, Strom) halte ich für solide genug.

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