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Französische Alpen 2022

Die große Mehrtagestour 2022 ist gefahren. Nach langer Planung und coronabedingter Verschiebung konnten wir die Tour endlich in Angriff nehmen und fahren. Hier nun also die Zusammenfassung und Beschreibung

Inhalt

Welche Überschrift?

Doch die erste Schwierigkeit beginnt schon bei der Wahl der Überschrift. Mit welchem Titel soll ich die Tour überschreiben?

  • Route des Grandes Alpes? Ja, denn die Route Grandes Alpes war der rote Faden und Inspiration für die Tour. Aber auch Nein, denn diese Namensgebung würde zu kurz greifen. Wir hatten weder den Beginn der Route des Grandes Alpes, noch deren Ende gefahren. Auch haben wir sie dazwischen oft genug verlassen und Alternativstrecken gewählt.
  • Seealpen? Greift auch zu kurz, denn wir waren auch in nördlicheren Regionen und Randgebieten unterwegs.
  • Südfrankreich? Erzeugt eine falsche Erwartung, zielt es doch mehr auf die Mittelmeerküste unseres Nachbarlandes oder andere Regionen in Frankreich, die wir nicht befahren haben.
  • Französische Alpen? Ist zumindest am wenigsten falsch und beschreibt ganz gut das Gebiet, das wir befahren haben. Auch, wenn ein kleiner Abstecher nach Italien dabei war.

Daher also die Überschrift über diese Tour: „Französische Alpen 2022

Statistik vorab

Vorab die nackten Zahlen der Tour:

  • gefahren im Juni 2022
  • 10 Tage, davon 7 Fahrtage, 1 Pausetag und 2 Tage An- und Abreise
  • Rundreise über 6 Etappen und eine Tagestour
  • 1.666 Kilometer
  • 54 Pässe und Schluchten (siehe Tabelle unten)
  • 44.870 Höhenmeter
  • längste Etappe: 298 km
  • kürzeste Etappe: 202 km
  • niedrigste gemessene Temperatur: 3°C (auf dem Col du Galibier)
  • höchste gemessene Temperatur: 35°C (an der Côte d’Azur)

Anreise

Start- und Endpunkt unserer Etappentour war Albertville in den französischen Alpen. Entfernung von Stuttgart mehr als 700 km.
Die Entscheidung fiel daher nicht schwer, die An- und Abreise mittels Motorradanhänger zu  bewerkstelligen. Ein Anhängerverleih mit einem Hänger für 3 Mopeds war schnell gefunden, der Mietpreis akzeptabel. Gegengerechnet zu Spritpreis, Reifenverschleiß und Maut-/Vignettenkosten kaum teurer. Dazu noch viel bequemer im Auto als Autobahnbolzerei auf dem Motorrad.

Entsprechend entspannt ging die Tour also los. Gemütliche Anreise auf den französischen Autobahnen. Am Nachmittag sind wir angekommen. Motorräder abgeladen, Zimmer bezogen. Und ein oder zwei (oder doch mehr?) Willkommensbierchen genossen.
Entspannt konnten wir also dem eigentlichen Tourstart entgegensehen. Einziger Wermutstropfen: der Hotelier hat uns wohl ein paar Bier zu viel berechnet, wie wir im Nachhinein festgestellt haben. Aber dafür durften wir das Auto mit Hänger bei ihm stehen lassen über die kommenden Tage.

Transport auf dem Hänger
Transport auf dem Hänger

Tag 1: Passhöhe, Geschichtsstunde und Schotter - Etappe nach Briancon

Abfahrt war ca. 9:00 Uhr bei herrlichem Wetter. Die Motorräder waren schnell beladen und wir verließen Albertville in nördlicher Richtung, erstes Zwischenziel Cormet de Roselend.
Und gleich nach der Stadtgrenze beginnt die kurvige Anfahrt zum Cormet. Eine Kurve folgt der nächsten, keine Geraden dazwischen. Ein idealer Start.

Vom Cormet de Roselend ging es dann zum ersten Highlight der Tour: durch das Val d’Isère hinauf auf den Col de l’Iseran. Höchster befahrbarer Pass in den Alpen, 2.770 müN. Entsprechend frisch wurde es auf dem Pass. 8°C und ein frischer Wind. Aber es sollte noch kälter gehen, wir wir später feststellen sollten. Sowohl Roselend als auch Iseran sind von Norden kommend zwei wunderbar zu befahrende Pässe. Griffige Straße und tolle landschaftliche Aussichten.

Von dort ging es dann über Bourg St. Maurice in Richtung Mont Cenis und Italien.

Auf dem Mont Cenis war Kaffeepause angesagt. Das erste Café auf dem Gipfel wurde angesteuert. Und obwohl es auf den ersten Blick durch bunte Plastikmöblierung Zweifel hervorrief, hat es sich doch als ideales Café mit hohem Unterhaltungswert herausgestellt: Kaffee und Süßspeisen schmeckten hervorragend, aber vor allem die Unterhaltung durch die Chefin des Hauses, eine ältere Dame in wohl örtlicher Tracht, ist zu erwähnen:
sie unterhielt alle Gäste gleichzeitig, in mehreren Sprachen (deutsch, englisch, französisch) und hielt uns einen Vortrag, was alles vom Mont Cenis kommt, dort erfunden wurde und dass es der Mittelpunkt Europas sei. Herrlich. 

Leider hat sich der blaue Himmel mit Wolken verhangen, der Wetterbericht verheißt nichts Gutes für den Rest der Etappe. Vom Mont Cenis ging es dann hinunter nach Italien zum nächsten Highlight, der Enduro-/Schotteretappe Assietta Kammstraße, mit Anfahrt über Colle delle Finestre. Erste Enttäuschung: Colle delle Finestre gesperrt. Auf Nachfrage aber hieß es: gut befahrbar, sei frei. Wir also los und die Schotterpiste begann. Kein einfaches Unterfangen mit vollgepacktem Moped und Sozia. Dazu noch setzt leichter Nieselregen ein. Macht hoffentlich die Piste nicht auch noch rutschig. Aber der Pass ist frei und wir kommen alle gut oben an.

Dann die nächste Enttäuschung: kurz hinter der Passhöhe ist die Abfahrt auf ca. 100 m Länge durch eine Baustelle gesperrt. Keine Durchfahrt. Wir sehen uns die Baustelle an und beschließen, zusammen mit einem ebenfalls oben stehenden Spanier, trotz Sperrung die Baustelle zu passieren. Geht gut, und weniger Kilometer tiefer kommen wir dann an die Abzweigung zum eigentlichen Ziel: der Assietta Kammstraße.

Nächste Enttäuschung: auch die Assietta ist gesperrt. Und so wie es aussieht wohl regelmäßig von Oktober bis 30. Juni. War leider in keinem Internetportal zu Pässen ersichtlich. Ärgerlich. Diesmal geben wir auf und suchen den nächstbesten Weg ins Tal und nach Briancon, dem heutigen Etappenziel. Das Hotel ist schnell gefunden, das Wetter wieder sonnig, so dass wir den Abend unter freiem Himmel in einer Pizzeria ausklingen lassen.

 

Etappe Albertville - Briancon
Etappe Albertville - Briancon

Statistik zur 1. Etappe:

  • 242 km
  • 7 Pässe
  • Fahrzeit 5h 58m
  • Gesamtzeit 8h 39m
  • durchschn. km/h: 40
  • 8.975 Höhenmeter

Highlights der Etappe:

  • Col de l’Iseran
  • Café am Mont Cenis
  • Schotterauffahrt am Colle Finestre
 Hotel: Hotel Vauban

Tag 2: Bergsträßchen und Regen - Tagestour ab Briancon

Nach einem hervorragenden Frühstück im Hotel ging es wieder gegen 9:00 Uhr los. Einige Pässe sowie wieder eine Schotterpassage stehen auf dem Programm.

Los geht es bei blauem Himmel und Sonnenschein. Doch vor dem ersten Pass, dem Col du Lautaret, unserem ersten Pass heute, zieht sich der Himmel zu. Tiefliegende Wolken bringen Nieselregen und Kälte. Keine angenehme Fahrt über den Col.

Doch kurz hinter dem Col du Lautaret hört der Regen auf. Es bleibt bewölkt, aber zumindest die Straßen sind wieder trocken. Wir folgen den Landstraßen in Richtung unserem ersten Highlight heute, der Bergstraße nach Villard Notre Dame. Was haben wir darüber schon gelesen und uns Videos angeschaut. Und es wurde uns nicht zu viel versprochen. Die Straße ist spektakulär. Schon der Einstieg unten in Le-Bourg-D’Oisans ist verwegen: durch kleine Gassen und verwinkelte Sträßchen kommt man zum Einstieg, der zuerst wie ein kleines Forststräßchen daherkommt. Doch schon kurz darauf steigt die Straße an und man erahnen, was kommt: spektakuläre Ausblicke, eine Fahrt an der Kante zum Abbruch, nur getrennt durch eine kleine Mauer. Am Besten sprechen hier Bilder oder ein Video. 

In Villard Notre Dame gönnen wir uns eine Kaffeepause, bevor es über die Schotterstraße weitergeht auf die andere Seite des Berges, zur Abfahrt nach Le-Bourg-d’Oisans.

Unten angekommen nehmen wir die Auffahrt nach Alpe d’Huez. Eine Serpentine reiht sich an die nächste. An einem Aussichtspunkt machen wir Mittagspause, als es wieder anfängt zu regnen. Also Regenklamotten an und weiter. 

Über den Pas de la Confession, der sich unbekannterweise als ein sehr schön zu fahrender Pass mit herrlicher Aussicht herausstellt, geht es Richtung Col du Glandon. Leider wird der Regen stärker und wir können weder den Col du Glandon, noch den sich direkt anschließenden Col de la Croix de Fer genießen. Also kurze Verschnaufpause und weiter. 

Und tatsächlich, wir haben Glück, und der Himmel reißt wieder auf. Im Sonnenschein können wir also das letzte Highlight des Tages, den Col du Galibier, in Angriff nehmen. Über den schön zu fahrenden Col du Télégraphe geht es auf den Galibier. 

Aber oben herrscht ein eisiger Wind, die Temperaturanzeige der Mopeds zeigt 3°C!!! Heißt, das Erinnerungsfoto schnell schießen und gleich weiter, Richtung Col du Lautaret und Briancon. Mit eiskalten Fingern kurven wir uns runter, Griffheizungen an, bis wir auf der Landstraße nach Briancon endlich wieder in wärmerer Luft fahren dürfen. 

Zurück im Hotel gehen wir nach dem Etappen-Abschlussbier und einer warmen Dusche auf die Suche nach einem Restaurant. Alles voll, aber in einem chinesischen Restaurant finden wir noch einen Tisch und lassen den Abend ausklingen.

Statistik zur 2. Etappe:

  • 256 km
  • 11 Pässe
  • Fahrzeit 6h 18m
  • Gesamtzeit 8h 52m
  • durchschn. km/h: 41
  • 9.131 Höhenmeter

Highlights der Etappe:

  • Villard Notre Dame (Auffahrt und Schotterpassage)
  • Galibier

Tag 3: Höchster Punkt erreicht - Etappe bis Puget-Thenier

Es steht die nächste Etappe an: wir fahren weiter in Richtung Meer, erst entlang der Route des Grandes Alpes und dann über das Dach der Tour, dem Cime de la Bonette.

Am morgen, wieder so gegen 9:00 Uhr (scheint sich irgendwie als optimale Zeit einzupendeln), geht es los, gleich in die Auffahrt zum ersten Pass des Tages, dem Col d’Izoard. Dieser Pass sticht meiner Meinung nach durch 2 Besonderheiten hervor:
1. die Landschaft unterscheidet sich von der anderen Pässen. Wirkt irgendwie wüstenartiger und erinnert etwas an die Bilder, die man aus den amerikanischen Rocky Mountains kennt
2. bei der Abfahrt auf der Südseite bemerkt man deutlich den Wechsel in den Süden. Wie mit einer Linie gezogen kommt einem auf einmal warme Luft und Pinienduft entgegen. Man ist im Süden. Merklich. 

Eigentlich als Übergangsstück nach dem Col d’Izoard gedacht, erweist sich das Tal des Flusses Guil als wirklich schön zu fahren. Die Schlucht wird immer enger und kurviger, bis sie sich dann bei Guillestre hin öffnet. Dort biegen wir eh von der Route Grandes Alpes ab und fahren Richtung Col de Vars/Col de la Bonette.

Der Col de Vars ist ein unspektakulärer, aber schön zu fahrender Pass. Oben verlassen wir das Departement Hautes-Alpes, es geht weiter Richtung Süden auf das nächste Highlight dieses Tages zu: Col und Cime de la Bonette. 

Der Col de la Bonette ist ein Klassiker, der man gefahren sein muss. Weit oberhalb der Baumgrenze führen angenehme Kurven hinauf auf den Pass und weiter auf die Schleife „Cime de la Bonette“. Dort, auf über 2800 m Höhe, fühlt man sich wie auf dem Dach der Alpen. Beeindruckende Ausblicke, aber ein Getümmel aus Motorrad- und Radfahrern und ein paar Autotouristen. Den Fußweg zum noch höher gelegenen Aussichtspunkt erspare ich mir aufgrund der Temperaturen. Der Süden lässt grüßen, die Sonne brennt schon ganz gut.

Nach einer kurzen Kaffeepause in der Abfahrt des Bonette folgt ein entspanntes Überbrückungsstück, bis wir auf den nächsten Pass abbiegen, den Col de la Couillole. Ein wenig im Schatten der großen Namen geht dieser Pass fast unter. Ein herrlicher Pass, schön zu fahren, mit kleinen Kurven, schönen Ausblicken. Oben angekommen sind wir offiziell im Süden angekommen. Die Region Nizza begrüßt uns auf Schildern.

Auf dem Weg zum Hotel folgt das nächste Highlight der Tour: die Gorges de Cians. Man fährt durch eine tiefe, enge Schlucht, gesäumt von Felsen in markantem Rot. 

Wir genießen die Fahrt durch die Gorges, wissen wir doch, dass kurz danach das Hotel wartet. Mit Swimmingpool. Bei der nun mittlerweile eingesetzten Hitze eine willkommene Abkühlung. Nach ausgiebiger Nutzung des Pools beschließen wir den Abend in der Ortschaft in einem Restaurant.

Statistik zur 3. Etappe:

  • 211 km
  • 7 Pässe
  • Fahrzeit 4h 39m
  • Gesamtzeit 7h 4m
  • durchschn. km/h: 45
  • 6.442 Höhenmeter
Highlights der Etappe:
  • Col d’Izoard
  • Col de la Bonette
  • Gorges de Cians

Tag 4: Hinterland und Hitze - Etappe ans Meer nach St. Maxim

Die 4. Etappe steht an, der letzte Fahrtag vor der Pause. Keine hohen Pässe, eher gemächliche kleinere Pässe im Hinterland der Côte d’Azur. Und das Thema „klein“ beginnt direkt nach dem Start mit dem Col de Fellines. Kleine schmale Straßen, zum Teil steil, zwingen uns ein gemächlicheres Tempo auf. Das wird keine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit heute.
Nach dem Col de Fellines warten weitere kleinere Pässe und Pässchen auf uns, wie z.B. der Col de Buis. Allesamt schön zu fahren und landschaftlich äußerst reizvoll. Die Gegend ist sicherlich einen längeren Besuch wert.

Völlig überrascht uns dann die Clue de St. Auban. Eine Schlucht und mittendrin, rechts der Fahrbahn, taucht plötzlich eine in den Fels gebaute Kapelle auf, in einer Art Höhle. Wir halten natürlich kurz an.

Weiter geht es über die Hügel und durch die Täler bis zur Abfahrt bei Greolières. Eine spektakuläre Abfahrt, durch in den Fels gehauene Torbögen. Diese Abfahrt war auch bereits Kulisse eines James Bond-Films.

Kurz nach der danach folgenden Auffahrt sehen wir in der Ferne die Küste und das Meer. Das südlichste Ziel der Tour ist greifbar. Aber es sollte sich noch ziehen. Wir suchen ein Café für den Mittag, aber werden enttäuscht. An einem Samstagmittag scheinen alle Plätze belegt oder reserviert. Oder die Bedienung ignoriert uns. Zusammen mit der steigenden Hitze wird die Stimmung mehr und mehr gedämpft. Zwar finden wir noch ein Selbstbedienungscafé, aber der Wunsch, jetzt lieber so schnell wie möglich am Hotelpool zu liegen, wird deutlich größer.
Auf dem Weg zum geplanten Highlight, der Küstenstraße entlang dem Cap d’Esterel, zwingt uns eine falsche Angabe des Navigeräts (wollte uns auf die Autobahn schicken) zu einem zusätzlichen Schlenker durch das Esterel-Gebirge. Bei mittlerweile 35°C ein begrenzter Spaß.

Bei Mandelieu-la-Napoule erreichen wir dann endlich die Küstenstraße. Ein paar kurze Halte um die Aussicht zu genießen genehmigen wir uns noch. Nach der Küstenstraße geht es dann aber so schnell wie möglich in Richtung St. Maxime, wo unser Hotel für den Ruhetag am folgenden Sonntag gebucht ist.

Am Spätnachmittag erreichen wir das Hotel, der Hotelier stellt uns seine Garage zur Verfügung und die Motorräder werden bis Montag geparkt. Pause für sie.

Wir genießen erstmal die klimatisierten Zimmer und gönnen auch uns eine Pause, bevor wir am Abend im Ortszentrum die Atmosphäre der Côte d’Azur bei einem Glas gekühlten Rosé genießen.

Statistik zur 4. Etappe:

  • 207 km
  • 7 Pässe
  • Fahrzeit 4h 12m
  • Gesamtzeit 7h 36m
  • durchschn. km/h: 40
  • 3.968 Höhenmeter
Highlights der Etappe:
  • Greolieres
  • Küstenstraße
  • Cap d’Esterel
Hotel: Le Revest

Tag 5: Badetag - Pause am Meer

Ruhetag. Heute kein Mopedfahren. Bei wiederum 35°C im Schatten vermutlich die beste Idee. Wir nutzen also den Tag, schlafen mal länger aus und gehen gegen Vormittag an den örtlichen Strand. Das Wasser ist nach kurzer Überwindung angenehm.
Nachmittags schlendern wir durch den Ort und setzen gegen später mit der Fähre über nach St. Tropez. Wir spazieren durch St. Tropez. Erstaunlich leer wirkt der Ort, bis auf die vielen Restaurants am Hafen. Nachdem in die meisten Restaurants die Sonne unerbittlich rein scheint, beschließen wir, wieder nach St. Maxime zu fahren und dort ein Restaurant zu suchen. Auf dem Weg durch den Ort schauen wir hin und wieder die Schaufenster an. Kinderschuhe für 400€! Geht’s noch? Côte d’Azur halt. Wir werden fündig bei unserer Restaurantsuche, sogar mit einer „Moule et Frites“-All-you-can-eat-Flatrate. Der Abend wird noch lustig und lang.

Tag 6: Gorges du Verdon - Etappe nach La-Palud-sur-Verdon

Der lange Vorabend steckt noch etwas in den Knochen, als es zur heutigen Etappe losgeht. Die Gorges du Verdon sind das Ziel. Es geht wieder durch das Hinterland der Côte d’Azur auf teils kleinsten Sträßchen, bis wir gegen Mittag die Verdonschlucht erreichen. Erste Aussicht, erster Halt. Beeindruckend, auch wenn man, wie ich, bereits zum dritten Mal da ist. Ein Autofahrer mit Familie, der unsere Nummernschilder gesehen hat, spricht uns an. Ob wir uns den auskennen würden hier. Er kommt aus Sindelfingen bei Stuttgart und es entwickelt sich ein nettes Gespräch über Zweiräder.

Wir fahren weiter entlang der Straße um die Schlucht, bis wir an einer Ausbuchtung Mittagspause machen. Weiter geht es entlang der Schlucht, unterbrochen immer mal wieder durch einen kurzen Halt, um den Blick zu genießen. Zu empfehlen ist hier ein kleiner Rastplatz unterhalb Aiguines, der einen herrlichen Blick auf den Lac de Sainte-Croix bietet. Weiter geht es hinunter und entlang des Sees bis zur Brücke, die über den Eingang zur Schlucht führt. Ein Pflichtstopp, alleine schon wegen des türkisfarbenen Wassers.

Nach der Brücke geht es wieder bergauf und entlang der anderen Seite der Schlucht. Zielort heute ist Palud-sur-Verdon, wo wir ein Hotel gebucht haben. Die Route des Crêtes, eine Straßenschleife in die Schlucht, verschieben wir auf den Abend. Also erstmal im Hotel einchecken, Gepäck abladen, erfrischen.

Gegen Abend steigen wir dann nochmal auf die Mopeds und fahren die Route des Crêtes. Die Ausblicke von dort setzen nochmal einen obendrauf. Sind zwar nur 22 km, aber ohne diese wäre die Verdonschlucht nicht komplett.

Zurück im Hotel nutzen wir das dortige Restaurant, bevor wir uns abseits in Ruhe noch ein Glas Wein gönnen und den Tag beenden. Der nächste Tag könnte lang werden, es steht eine Überbrückungsetappe mit fast 300 km an.

Statistik zur 5. Etappe:

  • 202 km
  • 7 Pässe
  • Fahrzeit 5h 08m
  • Gesamtzeit 8h 01m
  • durchschn. km/h: 40
  • 6.415 Höhenmeter

Highlights der Etappe:

  • Gorges du Verdon

Tag 7: Umleitung und Landstraßen - Etappe nach Dié

300 Kilometer warten auf uns, mit einigen geplanten Highlights wie den Gorges de Daluis und dem Col de la Cayolle. Wir starten also früh und fahren Richtung Castellane und zur Gorges de Daluis.
Dann plötzlich stehe wir vor einer Straßensperrung. Baumaßnahmen. Der direkte Weg zur Schlucht ist gesperrt, wir müssten eine Umleitung nehmen, die nochmals gut eine Stunde Fahrzeit draufgepackt hätte. Bei einer kürzeren Etappe kein Thema. Aber heute? Ein freundlicher Mitarbeiter der Baufirma empfiehlt uns, anstatt der Gorges de Daluis doch über den Col des Champs zum Col de la Cayolle zu fahren. Ein guter Rat, wie sich herausstellen wird.

Wir folgen also der Empfehlung, verzichten auf die Gorges de Daluis (ich hatte sie eh schon zweimal gesehen) und steuern den Col des Champs an. Auf kleinen Waldstraßen geht es aufwärts. Nur langsam kann man um die Kurven fahren, falls Gegenverkehr kommt. Aber wir sind erstaunlich alleine unterwegs und genießen so die Auffahrt zum Pass. Oben fehlt leider ein wenig der Hinweis auf die Passhöhe, so dass wir sie verpassen und schon in der Abfahrt sind zum Col de la Cayolle. Im Tal, dann wieder auf unserer ursprünglich geplanten Route, machen wir eine kurze Erfrischungspause in einem Café, bevor es weitergeht auf den Col de la Cayolle. Der letzte hohe Pass dieser Tour, der letzte Pass für uns auf der Route des Grandes Alpes, auf der wir uns mittlerweile wieder befinden.

Nach dem Pass verlassen wir das Gebirge bei Gap. Noch eine kurze Stärkung, dann geht es auf teils langen und geraden Landstraßen Richtung Dié, dem Zielort der heutigen Etappe. Kurz vor Dié überrascht uns dann noch ein kleiner Pass, der Col de Cabre, bevor wir nach langen 300 Kilometern im Hotel ankommen.

Als wir auf dem Hotelgelände einfahren, stehen im dortigen Carport bereits zwei Motorräder, auch BMW. Ein kurzer Blick auf die Nummernschilder: aus Stuttgart! Was ein Zufall. Wir treffen die Fahrer auf der Terrasse des Hotels und bei einem Bierchen entsteht schnell ein Gespräch. Die zwei Jungs sind ohne festes Ziel auch in den Französischen Alpen unterwegs, kamen aus Briancon, morgen soll es für sie weitergehen Richtung Süden.

Das Hotel stellt sich als absoluter Geheimtipp heraus: klein, inhabergeführt, und eine himmlische, französische Küche. Selten so gut gegessen. Logischerweise bleiben wir im Hotel und genießen die Terrasse und den Garten des Hotels.

Statistik zur 6. Etappe:

  • 298 km
  • 7 Pässe
  • Fahrzeit 5h 57m
  • Gesamtzeit 8h 4m
  • durchschn. km/h: 50
  • 5.537 Höhenmeter

Highlights der Etappe:

  • Col des Champs
  • Col de la Cayolle
  • Menü im Hotel

Tag 8: Combe Laval und Vercors - Etappe nach Albertville

Die letzte Etappe steht an. Ein letztes Mal Moped beladen. Zurück nach Albertville. Geplantes Highlight heute: Cirque de Combe Laval und Vercors.

Und gleich zu Beginn ein überraschendes Highlight: der Col de Rousset. Über viele Kehren schlängelt er sich hoch ins Vercors. Zwischen den Kehren lange Geraden, so dass genügend Abwechslung zwischen Beschleunigung und Kurvenfahren aufkommt. Nach dem Col de Rousset geht es dann ins eigentliche Vercors, das sich uns wie eine Hochebene darstellt. Über den Col de l’Echarasson fahren wir das Westende des Cirque de Combe Laval an. Trotzdem wir an der Berginnenseite der Straße in den Cirque einfahren ein absolutes Highlight der Tour. Für nicht schwindelfreie Zeitgenossen wie mich vermutlich auch die bessere Fahrtrichtung. Wir halten mehrmals an, um die beeindruckende Konstruktion der Straße und die Ausblicke zu genießen. Allerdings ist nach weniger Kilometern der Combe Laval durchfahren, so dass wir uns auf den Weg Richtung Albertville machen.

Eine Durchfahrt durch die Gorges de Bourne und nachfolgende das nördliche Vercors ist noch geplant, bevor es dann bei Grenoble auf die Schnellstraße gehen soll.

Die Gorges de Bourne sind schnell durchfahren, noch einmal ein optischer Leckerbissen, als wir unvermittelt wieder vor einer Straßensperre stehen. Und nun? Dann eben eine andere Strecke nach Grenoble, über den Col de Romeyère und entlang der Isère. Ein Glücksfall, wie sich herausstellt, fahren wir doch dadurch durch ein verstecktes fahrerisches Kleinod: Die Gorges de la Drevenne und den Tunnel des Ecouges. Der Tunnel wirkt wie eine abenteuerliche Höhle, die geradewegs bergab geht.

Die nachfolgende Abfahrt im Wald führt uns in das Tal der Isère, und dort durch scheinbar unendliche Walnussplantagen.

Wir gönnen uns einen letzten „Pass“ und biegen bei Sainte-Quentin-sur-Isère nochmal ab, hinauf den Berg und über die Route de Montaud wieder hinunter Richtung Grenoble.

Was nun folgt ist das letzte Teilstück der Tour. Durch Grenoble und entlang der Isère, mal Autobahn, mal Landstraße, zurück bis zu unserem Ausgangspunkt Albertville. Ein unschönes Teilstück, das an unseren Nerven zehrt.

Das Auto und der Anhänger stehen unberührt da. Wir laden die Motorräder auf und lassen die Tour in einem Restaurant im Ort Revue passieren und ausklingen.

Statistik zur 7. Etappe:

  • 250 km
  • 10 Pässe
  • Fahrzeit 5h 19m
  • Gesamtzeit 7h 25m
  • durchschn. km/h: 47
  • 4.402 Höhenmeter

Highlights der Etappe

  • Cirque de Combe Laval
  • Tunnel des Ecouges
Hotel: wie am Tag der Ankunft

Heimreise und Fazit

Die Heimfahrt verlief, ebenso wie die Anreise, problemlos und gemütlich. Französische Autobahnen sind einfach nur komfortabel und entspannend.

Fazit der Tour: Schön. Herrlich. Beeindruckend. Viel gesehen. Viel gelernt in fahrerischer Hinsicht.

Das erste mal zu zweit mit Gepäck über Tage unterwegs und es hat super geklappt. Wiederholungszwang!

Rundum hat alles gepasst:
von der Vorbereitung der Tour über die Länge der geplanten Touren, über die Auswahl der Strecken und die Lage und Planung eines Ruhetages bis hin zu den Hotels und Restaurants.

Die Gegend hat mich als Motorradfahrer sicher nicht zum letzten Mal gesehen.

Heimfahrt

gefahrene Pässe und Schluchten

PassHöheEtappentagReihenfolgeLink AlpenroutenDenzel Schwierigkeit
Col de Méraillet160511https://alpenrouten.de/Meraillet-Col-de-Route-des-Grandes-Alpes_point297.html3
Cormet de Roselend196812https://alpenrouten.de/Roselend-Cormet-de-Route-des-Grandes-Alpes_point422.html2-3
Col de l'Iseran277013https://alpenrouten.de/Iseran-Col-de-l-Route-des-Grandes-Alpes_point216.html2
Col du Mont Cenis208314https://alpenrouten.de/Mont-Cenis-Col-du_point306.html2
Colle delle Finestre217615https://alpenrouten.de/Finestre-Colle-delle_point150.html3-4
Colle di Sestriere203516https://alpenrouten.de/Sestriere-Colle-di_point464.html2-3
Col du Montgenèvre185417https://alpenrouten.de/Montgenevre-Col-du_point315.html1-2
Col du Lautaret205728https://alpenrouten.de/Lautaret-Col-du-Route-des-Grandes-Alpes_point253.html1-2
Col du Solude168029https://alpenrouten.de/Solude-Col-du_point1347.html3-4
Alpe d'Huez1860210https://alpenrouten.de/Huez-Alpe-d_point1129.html2
Pas de la Confession1542211
Col du Glandon1924212https://alpenrouten.de/Glandon-Col-du_point187.html3
Col de la Croix de Fer2067213https://alpenrouten.de/Croix-de-Fer-Col-de-la-Route-des-Grandes-Alpes_point113.html2-3
Col du Mollard1638214https://alpenrouten.de/Mollard-Col-du_point305.html2-3
Col de la Confrérie1368215
Col du Télégraphe1566216https://alpenrouten.de/Telegraphe-Col-du-Route-des-Grandes-Alpes_point651.html2-3
Col du Galibier2642217https://alpenrouten.de/Galibier-Col-du-Route-des-Grandes-Alpes_point174.html2-3
Col du Lautaret2057218https://alpenrouten.de/Lautaret-Col-du-Route-des-Grandes-Alpes_point253.html1-2
Col d'Izoard2360319https://alpenrouten.de/Izoard-Col-d-Route-des-Grandes-Alpes_point217.html2-3
Col de Vars2110320https://alpenrouten.de/Vars-Col-de-Route-des-Grandes-Alpes_point538.html1-2
Col de Restefond2656321https://alpenrouten.de/Restefond-Col-de-Route-des-Grandes-Alpes_point410.html3
Col de la Bonette2715322https://alpenrouten.de/Bonette-Col-de-la-Route-des-Grandes-Alpes_point59.html3
Cime de la Bonette2802323https://alpenrouten.de/Bonette-Cime-de-la-Route-des-Grandes-Alpes_point58.html3
Col de la Couillole1678324https://alpenrouten.de/Couillole-Col-de-la-Route-des-Grandes-Alpes_point106.html2-3
Gorges du Cians800325https://alpenrouten.de/Cians-Gorges-du-Cians-Gorges-Superiores-du_point760.html2
Col de Félines932426https://alpenrouten.de/Felines-Col-de_point802.html3
Col de Buis1200427https://alpenrouten.de/Buis-Col-de_point797.html3
Col de Bleine1439428https://alpenrouten.de/Bleine-Col-de_point646.html3
Col de l'Ecre1120429
Col du Ferrier1039430https://alpenrouten.de/Ferrier-Col-du_point793.html2
Col de la Lèque695431https://alpenrouten.de/Leque-Col-de-la_point1215.html2
Col de Bougnon156432
Col de St-Andrieu512633https://alpenrouten.de/St-Andrieu-Col-de_point1211.html2
Grand Canyon du Verdon / Corniche Sublime800634https://alpenrouten.de/Verdon-Grand-Canyon-du-Corniche-Sublime_point762.html2-3
Cirque de Vaumale / Col de Vaumale1201635https://alpenrouten.de/Vaumale-Cirque-de-Vaumale-Col-de_point1029.html2-3
Col d'Illoire / Grand Canyon du Verdon964636https://alpenrouten.de/Illoire-Col-d-Grand-Canyon-du-Verdon_point1026.html2-3
Col d'Olivier711637https://alpenrouten.de/Olivier-Col-d_point1027.html2-3
Col d'Ayen1032638https://alpenrouten.de/Ayen-Col-d_point1028.html2-3
Pas de l'Abauc / Route des Crêtes1330639https://alpenrouten.de/Abauc-Pas-de-l-Route-des-Cretes_point1030.html2-3
Col de Cheiron / Col de La Blache887740https://alpenrouten.de/Cheiron-Col-de-La-Blache-Col-de_point943.html2-3
Col des Champs2045741https://alpenrouten.de/Champs-Col-des_point85.html3
Col de la Cayolle2327742https://alpenrouten.de/Cayolle-Col-de-la-Route-des-Grandes-Alpes_point79.html3
Col du Pignon821743https://alpenrouten.de/Pignon-Col-du_point981.html1-2
Col du Cabre1180744https://alpenrouten.de/Cabre-Col-de_point783.html2-3
Col de Rousset1254845https://alpenrouten.de/Rousset-Col-de_point712.html2-3
Col de Saint Alexis1222846https://alpenrouten.de/Saint-Alexis-Col-de_point933.html2-3
Col de Proncel1100847https://alpenrouten.de/Proncel-Col-de_point1060.html2
Col de Carri1202848https://alpenrouten.de/Carri-Col-de_point784.html3
Col de L'Echarasson1146849https://alpenrouten.de/Echarasson-Col-de-l_point1061.html2-3
Col Gaudissart / Combe Laval 840850https://alpenrouten.de/Gaudissart-Col-Combe-Laval_point763.html2-3
Col de la Machine / Combe Laval1011851https://alpenrouten.de/Machine-Col-de-la-Combe-Laval_point698.html2-3
Gorges de la Bourne600852https://alpenrouten.de/Bourne-Gorges-de-la_point765.html3
Col de Romeyère1074853https://alpenrouten.de/Romeyere-Col-de_point990.html2
Canyon des Écouges / Tournant du Cadet882854https://alpenrouten.de/Ecouges-Canyon-des-Cadet-Tournant-du_point991.html2-3