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Schwalbe Pro One – die ersten 400 km

Vor einigen Tagen hatte ich über den Schwalbe Pro One an meinem Renner in einem ersten Erfahrungsbericht geschrieben, siehe hier.

Nach knapp 400 Kilometern auf unterschiedlichstem Asphalt, von flüsterleisem Flüsterasphalt bis hin zu rauen, aufgebrochenen Wirtschaftswegen, ist es Zeit für ein erstes ehrliches Fazit. Hält der Reifen, was die Magazine versprechen?

Was die Fachpresse sagt – und was die Realität zeigt

Schlägt man die großen Magazine wie die TOUR oder Rennrad auf, landet der Schwalbe Pro One TLE im Vergleichstest fast traditionell auf dem Podium oder sichert sich den Testsieg. Gelobt werden vor allem der extrem geringe Rollwiderstand, der phänomenale Grip und – ein Punkt, der überall dick unterstrichen wird – die angeblich kinderleichte Tubeless-Montage.

Nach meinen ersten 400 Kilometern kann ich sagen: Die Tester haben in vielen Punkten recht, aber bei einem Thema musste ich in der Werkstatt schwer schlucken.

Der Montage-Mythos: Von wegen „Easy“ dicht

Fangen wir mit dem einzigen echten Dämpfer an: der Montage. Schwalbe tauft das System stolz „Tubeless Easy“. Die Fachpresse bestätigt oft, dass der Reifen fast von alleine ins Felgenbett springt und sofort fahrbereit ist. Diese Erfahrung kann ich leider überhaupt nicht teilen.
Während das reine Aufziehen auf die Felge noch halbwegs passabel lief, fing der eigentliche Kampf danach erst an: den Reifen absolut dicht zu bekommen. Wo meine alten Conti-Tubeless-Reifen meist nach dem ersten Aufpumpen und einem Schluck Dichtmilch sofort die Luft hielten, zeigte sich der Pro One TLE als echte Diva. Es brauchte Geduld, mehrmaliges Nachpumpen, Schwenken des Laufrads und eine ordentliche Portion Dichtmilch, bis das System endlich keine Luft mehr verlor. Und die ersten Tage oder Ausfahrten hat der Reifen auch gut 1 bar pro Tag verloren. „Easy“ fühlte sich dieser Zirkus definitiv nicht an.

Die Luft hält inzwischen besser, vermutlich hatte die Dichtmilch genügend Zeit, die restlichen Undichtigkeiten zu verschließen.

Auf der Straße: Das Phänomen „Souplesse“

Nachdem der Reifen aber erst einmal dicht ist und rollt, verflog der Werkstatt-Frust innerhalb der ersten Meter. Schwalbe wirbt intensiv mit dem Begriff „Souplesse“ – dem Gefühl von Leichtigkeit und Geschmeidigkeit. Und genau hier trumpft der Pro One TLE auf.

  • Der Komfort-König: Der Unterschied zu meinen vorher gefahrenen Conti-Tubeless-Reifen ist wie Tag und Nacht. Während die Contis Schläge und Vibrationen recht trocken und spürbar an den Rahmen weitergeben, bügelt der Schwalbe Pro One den Untergrund regelrecht glatt. Die Dämpfung ist überragend. Selbst auf rauen Straßenabschnitten sinkt die Mikrovibration im Lenker spürbar. Man hat das Gefühl, mit maximalem Komfort und extrem viel Vertrauen in den Kurven unterwegs zu sein, ohne dass der Reifen schwammig wirkt. In Sachen Eigendämpfung zieht er am Conti gnadenlos vorbei.
    Anfänglich war der Unterschied so groß, dass ich bereits an Druckverlust im Reifen gedacht hatte. Bin sogar mehrmals stehen geblieben, um den Druck (mit der Hand) zu prüfen. Nein, ich täusche mich nicht. Der Reifen hält die Luft, dämpft aber um Welten besser als der Conti.
  • Der Rollwiderstand: Die Labore der Fachpresse messen dem Schwalbe Pro One absolute Fabelwerte beim Rollwiderstand nach und bescheinigen ihm oft minimale Vorteile. Wie schlägt er sich im direkten Vergleich zum Conti? Ganz ehrlich: In der Praxis merke ich keinen Unterschied. Beide Reifen rollen gefühlt extrem schnell und halten das Tempo mühelos. Wer nicht gerade Wattmessung im Sub-Watt-Bereich betreibt, wird den Unterschied beim reinen Dahingleiten kaum spüren – schnell sind sie beide.

Erstes Fazit nach 400 Kilometern

Der Schwalbe Pro One TLE ist ein faszinierender Reifen. Wer den Geduldsakt in der Werkstatt erst einmal hinter sich gebracht hat und das System dicht hat, wird mit einem Fahrgefühl belohnt, das mein alter Conti so nicht geboten hat. Die Fachpresse übertreibt nicht, wenn sie den Grip und vor allem den Komfort in den Himmel lobt. Die Dämpfung ist ein echter Gamechanger für lange Tage im Sattel. Alleine schon deshalb hat sich der Wechsel gelohnt.

Ob die Haltbarkeit auf Dauer überzeugt, werden die nächsten tausend Kilometer zeigen. Bis jetzt bleibt das Grinsen im Gesicht – zumindest so lange, wie der Reifen brav seine Luft hält!

Schalt-/Bremshebel: zurück auf den vorigen Stand

Eine andere kleine Umbaumaßnahme, die ich im Zug des Reifenwechsels ebenfalls realisiert hatte, war die Verstellung der Schalt-/Bremshebel um ein paar Grad nach innen. Ich muss gestehen: ich merke keine Vorteile. Weder entspanntere Haltung, noch andere Verbesserungen.
Aber optisch stört es mich. Daher werden die Schalt-/Bremshebel wieder in ihr ursprüngliche Haltung gebracht: parallel und gerade nach vorne.


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